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Selbstwirksamkeit macht glücklicher als Fango 09.02.2006 In allen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen lag der Schwerpunkt auf den rein kognitiven-intellektuellen Denk- und Lebensmodellen. Jegliche Argumentation zum Handeln und Motivation für Verhalten wurde logisch-sachlich begründet. Kein Wunder, natürlich klingen die Zeiten der Aufklärung nach, in der Philosophen und Gelehrte die Menschen aus einem mystifizierten spirituellen Zeitalter herausholen wollten. Natürlich kam es auch zu einer überhöhten Bewertung unserer Großhirnrinde, mit der wir bewusst erkennen, verstehen, begründen, da es uns doch schien, als ob das uns sicher abgrenzt „von den anderen Tieren“. Auch die jüngste Zeit nach dem Krieg war in allen Bereichen geprägt von logischen Denk- und Verhaltensmustern. Zur Arbeit gingen wir, um das notwendige Geld für die Waschmaschine, das Auto oder die Unterwäsche zu verdienen. In den Urlaub fuhren wir, wo es fließendes warmes und kaltes Wasser gab und ein schönes Klo, eine freundliche Bedienung, eine Verwöhnatmosphäre. Mal nichts machen. Wir bildeten uns weiter in Seminaren, in denen uns paketweise Wissen eingetrichtert werden sollte. Und mit der Zeit bildete sich eine fast neurotische Philosophie der Überhöhung oder Zerlegung von Inhalten. Die Arbeit stilisierten wir hoch zur qualvollen Pein mit der Peitsche der Effektivität und Effizienz, so dass es möglich wurde, über Arbeit wie über eine Bestrafung zu verhandeln. Schon eine halbe Stunde Arbeitsverkürzung schien ein Segen zu sein. Solche Verhandlungssiege der Gewerkschaften wurden euphorisch gefeiert. Heraus aus der Qual in die Freizeit, unsere vermeintliche Freiheit. Die Entlohnung für die Qual wurde das Wichtigste. Im Urlaub forderten wir zwanghaft mehr von dem „fließenden Wasser“, der Bedienung, dem Verwöhnaroma. In riesigen Landschaften muss es sprudeln, dampfen, leuchten, riechen, die künstliche Sonne darf neben der Gurkenmaske nicht fehlen. Und dann übergangslos zum 5-Gänge-Menue. In Seminaren und Weiterbildungen wurde Wissen in Zauberpakete verpackt. Die zehn Regeln für den guten Verkäufer, die fünf Tipps zum Glücklichsein, zwanzig leichte Schritte zum Erfolg. In ihren Konstrukten wurde und wird wortgewaltig Allgemeingültiges verpackt. Vom Learning-Management, Skill-Management, der prozessorientierten Lernarchitektur über das Bildungscontrolling zur Integration in serviceorientierte Lehrkonzepte. Und dennoch scheint, wir werden nicht glücklicher. Das Jammern spielt sich ab auf hohem Niveau, es scheint, als seien wir unglücklicher und ängstlicher als je zuvor. Wir haben Angst vor der Zukunft, Angst vor Katastrophen, Angst um unsere Gesundheit, ja um unsere Existenz. Unsere Unsicherheit drückt sich aus im Griff zum Nahrungsergänzungsmittel (weil uns die „normale“ Nahrung nicht genug zu sein scheint), im Doctor-Shopping, im überschießenden Reglementierungswahn, weil wir glauben, sonst nicht sicher genug zu sein, in der Unterdrückung ungeplanten Handelns und der Verpackung unserer Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Freudlosigkeit in neuen Krankheitsbegriffen (Müdigkeitssyndrom, Sissi-Syndrom, Aufmerksamkeitsstörung). Warum wir selbst die teure Reise nicht genießen können, macht uns ratlos. War das Bett zu hart? Der Pool nicht warm genug? Die Aussicht auf das Meer verstellt? Versuchen wir es mal mit einer Klage! In der Weiterbildungsbranche lassen sich Manager hinreißen zu grotesken Äußerungen und Schlagworten, wie „Ergebnis statt Erlebnis“ oder fordern die Effektivität ihres „Human-Ressource-Kapitals“ effizienter zu machen. Doch alles scheint nicht recht zu gelingen. Unsere Jagd nach Erfolg, Glück, Lust, Reichtum oder Gesundheit scheint nicht ganz erfolgreich zu sein. Nun ist es eben mit zehn guten Ratschlägen leider nicht getan. Auch spricht nichts gegen eine gesunde Ernährung, Sport, Entspannungstechniken oder Ähnliches, aber möglicherweise handelt es sich mehr um Kompensationsmechanismen anstatt wirkliche Lösungen. Erfolg, Glück, Gesundheit, Leistungsfähigkeit – also ein gelingendes Leben – ist ein sehr komplexes Phänomen, welches letztendlich nur mit einer gekräftigten Gesamtpersönlichkeit gemeistert und erlebt werden kann. Solange wir die Ganzheit zerlegen in Teile, in einen funktionierenden Körper, eine einsame, glückliche Seele und einen allwissenden Geist, zerstören wir die Kohärenz einer Ganzheitlichkeit. Solange wir unser Leben aufteilen in qualvolle Arbeit und glückliche Freizeit, polarisieren wir ein ganzheitliches Leben, ja, zerlegen es in Einzelteile. Der Mensch aber ist nicht die Summe seiner Teile. Körper, Seele und Geist bilden eine Einheit, die sich im Bezugssystem Umwelt bewegt. Nur durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise werden wir unserem Leben, unserer Gesellschaft und somit unserem Dasein gerecht. Damit sind alle Bereiche gemeint. Dies trifft für die Naturwissenschaften und Humanwissenschaften ebenso zu wie für Marketing , Tourismusmaßnahmen oder Bildung/Weiterbildung. Vielleicht ist es zu einer gelernten Hilflosigkeit und Verständnislosigkeit gekommen. Wir verstehen nicht mehr die großen Zusammenhänge und haben keine Ziele (subjektiver oder objektiver Art). Wir verspüren einen Verlust des Gefühls von Selbstwirksamkeit, es mangelt uns an kohärenter Handlungsorientierung, wir verkennen die ureigenste Funktionslust des Homo sapiens.
Das Ganze ist uns verloren gegangen oder wie der Volksmund sagt: „Wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht!“ Was ist denn nun das Geheimnis von Kreativität, Charisma oder Glück? Warum gibt es immer leidende Menschen und immer welche, die gut drauf sind? Die Antworten geben uns die Neurowissenschaftler, die Hirnforscher, die Humanwissenschaftler, die sich mit der Systemkonzeption Mensch auseinander setzen. Um es vorweg zu nehmen: Zufriedenheit ist die ständige erfolgreiche Bewältigung von Herausforderungen. Durch dieses ständige „Üben“ wachsen die persönlichen Kompetenzen und Fähigkeiten. Das macht uns Lust auf neue Herausforderungen und Lust am Bewältigen und Funktionieren. Das war der Antrieb der Mammutjäger und ist der Antrieb der Börsenmakler heute noch. Wenn wir also etwas tun, wenn wir etwas probieren, was wir noch nie probiert haben, wenn wir Neues wagen, kurzum, wenn wir aktiv gestalten und handeln, legen wir diese neuen Kompetenzen in tiefen uns unbewussten Teilen des Gehirns ab. Es handelt sich um die Hirnteile, die Wissenschaftler das lymbische System, die Amygdala oder den Nucleus accumbens nennen. Diese unbewussten Gedächtnisse sind die emotionalen Bewertungsstellen für aktives Handeln und Geschehen. Das heißt, wenn wir vor einer Aufgabe stehen, „beraten“ uns diese Stellen unbewusst und entscheiden mit, „was denn nun zu tun ist“.
Wir erleben dieses intuitive Tun und diese letztendliche Kompetenz in der Entscheidungsfindung und Bewältigung von Aufgaben als ein Gefühl, welches aus unserem Selbst kommt. Es handelt sich um Basiskompetenzen, die unsere Persönlichkeit ausmachen. Das innere Wachsen dieser Kompetenzen erleben wir als Glücksgefühl.
Genauso ist es andersherum. Je mehr wir vermeidend nur in passiver Konsumhaltung verharren, schrumpfen diese Kompetenzen. Wir machen negative Erfahrungen, die wir wiederum in bestimmten unbewussten Gedächtnissen abspeichern. Diese Berater nun beraten uns eher vermeidend. „Lass das, zu schwer für Dich, das macht Angst, flüchte und greif nicht an!“ Unser aktuelles Verhalten besteht aus Vermeidung und es entstehen die Gefühle des Selbstzweifels, der Belastungsunfähigkeit, der Angst, die wiederum eher zu einer anklagenden Opferhaltung führt. Zugegebenermaßen ist dies etwas einfach dargestellt. Aber dennoch führt es zu der richtigen und in vielen Bereichen essentiell wichtigen Aussage: Die Menschen brauchen das Gefühl der Selbstwirksamkeit, der Handlungsorientierung als positives Prinzip einer innerlichen Kompetenzsteigerung, welche als Funktionslust gespürt wird. Dies ist mit Sprudelbädern und Massagen allein nicht zu kompensieren. Es soll jetzt nicht der Eindruck der Lustfeindlichkeit entstehen, aber vor die Belohnung und das Genießen hat die Evolution Herausforderung, Handeln und Bewältigung gesetzt. Vernachlässigen wir sowohl den einen als auch den anderen Bereich und stellen die Kohärenz dieses Lebensprinzips nicht her, verstoßen wir gegen Grundsätzlichkeiten.
Schauen wir uns diesbezüglich nochmals die Bereiche an, die wir eingangs betrachteten: Arbeit, Freizeit, Bildung. Die Arbeit: Je mehr es gelingt, dieser Grundsätzlichkeit der Systemkonzeption Mensch gerecht zu werden, um so erfolgreicher ist das Unternehmen. Die Menschen eines Unternehmens können nicht geführt werden, als ob sie Werkzeuge sind, welche auf Effektivität und Effizienz getrimmt werden, möglicherweise noch hinter einer manipulativen oder nicht kohärenten Leitidee (meist von außenstehenden Beobachtern erfunden). Ein Unternehmen muss leben. Wird es lebendig gemacht, erleben die Mitarbeiter das Unternehmen und sich. Durch ihr Selbsterleben erhalten sie Erfahrung, inneres Wachstum und innere Freiheit. Das ist die motivationale Kraft, die letztendlich den Erfolg jedes Unternehmens ausmacht. Genauso ist es mit den Produkten oder Dienstleistung eines Unternehmens. Nicht das Produkt muss beworben werden, sondern der Erwerber. Der Erwerber muss mit diesem Produkt mehr eigene Kompetenz und Funktion erleben. Beispiel: Verkauf einer Bohrmaschine: Falsch: Diese Bohrmaschine bohrt die schönsten Löcher. Richtig: Mit diesen handwerklichen Fähigkeiten richten Sie jede Wohnung ein.Ihre Freunde werden Sie bestaunen. Nicht anders verhält es sich in der Freizeitindustrie. Schon trägt man der drängenden Bewegungs- und Handlungslust der Menschen Rechnung. Mit Fahrrädern, Stöcken, Seilen wird in der Freizeit die Welt erobert. Eine gewaltige Industrie rüstet Radfahrer, Wanderer oder Bergsteiger mit den Dingen aus, die ihn zu einem vollkommenen Radfahrer, Wanderer oder Bergsteiger machen.
Wenn nun die Tourismusindustrie die immer größer werdende Freizeit mit dem Reisenden zusammen in ein kohärentes Lebensgefühl packt, nicht nur Reisen oder Urlaub als Belohung für die harte Arbeit daheim, wenn sie also mehr Nachhaltigkeit und nicht nur gute Erholung schafft, erschließt sie sich einen gewaltigen neuen Markt. Ich komme größer, freier, kompetenter und erfahrener in mein Alltagsleben zurück. Nachhaltigkeit gewährleistet. Wenn Unternehmen dazu übergehen, einfallsreicher mit dem Urlaub ihrer Mitarbeiter umzugehen, als nur Urlaubsgeld zu geben, öffnet sich ein riesiger Markt, in dem Menschen sich wohl fühlen, da sie mit ihren eigenen Ressourcen von „Zwergen Schritt für Schritt zu Riesen werden“. Das macht sie stolz und glücklich. Wenn in Seminaren und Weiterbildungsveranstaltungen nicht nur paketweise Wissen mit bunten Zettelchen, Flipcharts und Skripten eingetrichtert werden soll, werden Wissensinhalte an erfahrungsorientierte Seminare gekoppelt. Nachhaltig lernen wir mit emotionalen Erfahrungen. Nichts prägt nachhaltiger als die eigene tiefe Erfahrung. (Gebranntes Kind scheut das Feuer). Rein sachliche bzw. kognitiv erarbeitete Konzepte oder reines Wissen um die Dinge bringen nicht die nachhaltigen Veränderungen in Persönlichkeits-, Team- und Prozessqualitäten. Im Seminarzentrum Wollmarshöhe wird seit 1998 nachhaltig über diese Lernkonzepte geforscht. Hierzu dienen Hochseilgärten und Niederparcours. Am Lernmedium „Körper, Seele, Geist“ werden Konzepte erarbeitet, die quasi einer „emotionalen Operation am offenen Herzen“ gleichkommen. Abseits der etwas zu unrecht diskriminierten Methoden reiner Outdoor-Events, die hauptsächlich spaß- und adrenalinorientiert sind, werden Hochseilgärten, Niederparcours oder die Natur an sich als Trainingsinstrumente gezielt eingesetzt. Der Coach wird Lerntheorie, Interaktivität, erfahrungsorientierte Verankerung individuell und situationsbedingt in der Persönlichkeits-, Team- und Prozessentwicklung gestalten. Der höchst emotionalisierte Zustand des Teilnehmers - zum Beispiel auf dem Hochseilgarten (Spannung, Konzentration, Angst) – gewährleistet die umfassend verankerte Erfahrung. Neben den spezifischen Erfahrungen bezüglich meiner Person oder meines Teams (Unterstützungssysteme in Gruppen, gemeinsame Zielfindung, Rollenverteilung, eigene Blockaden erkennen, Körperwahrnehmung und –beherrschung, Training von Schlüsselqualifikation, Veränderungsprozesse vorbereiten, Risikobereitschaft etc.) ist es vor allem die oben erwähnte, ungemein wichtige, positive Bewältigungserfahrung. Neurophysiologisch und evolutionsbiologisch sind Menschen darauf angelegt, Handeln als positives Prinzip zu erkennen, sich an das Lösen von Aufgaben und Bewältigen von Problemen zu begeben und diese erfolgreich zu meistern. Individuell angeleitet vom Coach, Trainer oder Therapeuten erfahre ich so alte und neue Verhaltensmuster, die mich im Alltag ebenfalls prägen.
Ein Hochseilgarten ist ein komprimiertes, künstliches „Leben“, in dem ich mich „verhalte“ wie im Alltag. Gerade in Führungsseminaren hat man es mit Leuten zu tun, die maximal trainiert sind in „beladenen Situationen“, mit dem Kopf und dem Intellekt „alles platt zu machen“ oder bewältigen zu wollen. Das geht zum Beispiel im Hochseilgarten nicht. Emotion überlagert Kognition. Das „innere Verhalten“, welches wirklich wichtig ist, schlägt durch. Das antrainierte „äußere Alltagsverhalten“ tritt in den Hintergrund. Die Situation ist ungefiltert, ungeschminkt, mit höchster Authentizität. Wahrnehmen, was wirklich ist. Es geht bei solchen Seminaren also nicht um die Bewältigung verschiedener Aufgaben, quasi gleich einem sportlichen Wettkampf, sondern um das Verhalten während der Begehung. Hier bleibt der springende Punkt, ob es dem Coach oder Trainer gelingt, kognitive Inhalte erleben zu lassen, korrigieren zu können und in den Alltag transferieren zu können (Kenne ich das Verhalten von mir und den anderen Teilnehmern im Hochseilgarten auch aus Situationen in meinem Leben? Konkurriere ich als Einzelkämpfer? Benutze ich Ressourcen de Kollegen? Kann ich führen? Kann ich vertrauen? Wann greife ich in Prozesse ein?). Auf der Wollmarshöhe werden Lehr- und Lernkonzepte nicht nur für den Outdoorbereich genau zu diesen Fragen erarbeitet. Zunächst wurde eine prospektive kontrollierte Beobachtungsstudie an 260 Teilnehmern über ein Jahr durchgeführt. Erfahrungsorientiertes Arbeiten in Seminaren und Therapien fördern deutlich den Erfolg bezüglich neuer Kompetenzen, Stimmung, Zufriedenheit. Wissen wird besser und fester verankert. Körper, Seele und Geist sind eins. Es ist kein Zufall, dass Erkenntnisbegriffe wie „Erfassen“ und „Begreifen“ eigentlich eine körperliche Aktivität beschreiben.
Vielleicht so: Wenn Körper, Seele und Geist eins sind, wird es das Beste sein, wenn ich mich in einer quasi komplexen „Gesamtbewegung“ in allen Lebensbereichen in meinem Denken, Wahrnehmen und Handeln weiter entwickle zu höherer Bewältigungskompetenz und hin zu einem gelingenden Leben. Diesen dynamischen Flow kennen wir. Wir bezeichnen und empfinden ihn schlechthin als „Glück“. Charly Siegl und Werner Vetter, mit ihrem Unternehmen „faszinatour“, einer der größten Outdoor-Veranstalter Deutschlands haben dies erkannt. Mit Dr. Mehl, der in seiner Privatklinik und einem Seminarzentrum mit angegliedertem Institut für angewandte Evolutions- und Systembiologie, Persönlichkeits- und Prozessforschung, diese Dinge entwickelt, gründeten sie einen Arbeitskreis. Dieser Arbeitskreis wird diese Erkenntnisse insbesondere in den Weiterbildungsmarkt und in touristische Konzepte tragen.
Dr. Kilian Mehl Arzt, Coach und Psychotherapeut Leitet das Seminarzentrum „ Die Wollmarshöhe“
www.wollmarshoehe.de info@wollmarshoehe.de
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